Weihnachtstanne Wilma

Ich bin Wilma, die Weihnachtstanne, und stehe hier mit meinen Brüdern und Schwestern in der Weihnachtsbaumanlage der Familie Wilhelms. 

Eigentlich stamme ich ja von weit, weit her - ich komme nämlich aus dem Kaukasus. Dort werden die Zapfen der alten Nordmanntannen gepflückt. Dazu klettern mutige Männer am Stamm der Tannen bis in die Krone der Bäume. Die können schon mal bis zu 40 m hoch werden. Die Samen werden dann in speziellen Baumschulen ausgesät. Ich wurde von meinen Pflegeeltern in Österreich aufgepäppelt und als zweijähriger Spross kam ich dann hier nach Sachsen in diese Weihnachtsbaumanlage. Ein Jahr auf der Anzuchtsfläche und danach wurde ich als dreijährige an meinen endgültigen Platz gepflanzt.

Hier stehen nun große und kleine Bäume - Tannen, Fichten und Kiefern - bunt gemischt durcheinander. Im Lauf des Jahres kommt der Herr Wilhelms öfters mal mit der Motorsense vorbei und kürzt das Gras. Wenn es so sehr warm und trocken ist, freuen wir uns natürlich über die Wassergaben. Besonders gut tut es uns, wenn der Boden mit Mulch abgedeckt wird. Dann wird es so richtig kuschelig unter den Zweigen. Hin und wieder schauen auch mal der Igel, die Blindschleiche oder die Zauneidechse vorbei. So mancher Vogel hat sich schon bei mir auf die Zweige gesetzt und in den großen Bäumen baut auch mal einer sein Nest. Zum Glück wird hier nicht gespritzt, weder gegen Unkraut noch gegen Insekten oder Pilze. Somit haben viele Gäste hier ihr Auskommen. 

Aber wisst Ihr, worauf wir uns ganz besonders freuen? Wenn es im Herbst bei uns so richtig trubelig  in der Anlage wird. 

Wir freuen uns immer, wenn Besuch kommt! Da rücken die Familien mit Kind und Kegel an und begutachten uns und suchen sich ihren Baum zum Weihnachtsfest aus. So manche Tanne oder Fichte wird dann von unserem „Pflegepersonal“ geschlagen und eingenetzt und geht auf große Reise in die heimischen Wohnzimmer. Ich, mit meinen paar Jahren, muss da wohl noch ein bisschen warten.

Die 2-m-Bäume sind meist schon acht bis neun Jahre alt, und die ganz großen sind viel, viel älter.

Im nächsten Frühjahr sind wir schon alle gespannt auf die Neuen, die neben uns in die Lücken gepflanzt werden. Die Kleinen sind vorwitzig und werden von den alten Tannen gleich zurechtgewiesen - ja, das ist wie im wahren Leben.

 

So, nun genug geschwatzt. Da kommt wieder eine Familie und sucht noch einen Weihnachtsbaum.

Ich wünsche Euch viel Spaß in unserer Anlage und allen eine frohe Adventszeit, ein schönes Weihnachtsfest und ...

kommt gut übers Jahr!

Vielleicht sehen wir uns im nächsten Jahr wieder.

 

Tschüssi

Eure Weihnachtstanne Wilma

 

Das sind wir!

Unsere ersten Weihnachtsbäume haben wir vor 33 Jahren, im April 1991, gepflanzt. Jedes Jahr wurde die Anlage erweitert und im zeitigen Frühjahr Sämlinge und Jungpflanzen von Nadelgehölzen auf der Fläche ausgepflanzt. So ein Weihnachtsbaum braucht schon seine Zeit, ehe er groß genug ist und zum Weihnachtsfest geschlagen werden kann.

Da unsere Familie sehr naturverbunden ist, ist es nicht verwunderlich, dass wir in unserer Anlage keine Herbizide und Pestizide beim Anbau der Weihnachtsbäume einsetzen. Die Pflege erfolgt mit Rasenmäher und Motorsense. So wird die gesamte Fläche nach Bedarf fünf bis sechs Mal im Jahr gemäht. Die Pflanz- und Pflegearbeiten werden von uns allein, das heißt von Volker und Renate, ausgeführt.  Als Ausgleich zur Büro- und Hausarbeit ist die Arbeit in der Weihnachtsbaumplantage genau das Richtige. Wir haben hier unser Fitnesscenter im "Grünen".

Im November wird der Weihnachtsbaumverkauf vorbereitet, so dass pünktlich zum ersten Adventswochenende alles fertig ist. Wir freuen uns sehr darüber, dass unsere drei erwachsenen Mädels Wenke, Wiebke und Weike der Heimat verbunden sind und an den arbeitsintensiven Verkaufswochenenden uns tatkräftig mit ihren Familien unterstützen. Als Belohnung landet dann ein besonders schöner Weihnachtsbaum in Berlin, im Allgäu oder in Selm. Unsere Enkeltochter Frieda freut sich ganz besonders auf das Wochenende bei uns  in den Weihnachtsbäumen. Sie kennt die Baumarten genau und hilft uns gern beim Verkauf der Bäume. 

Unser Weihnachtsbaum wird immer kurz vor dem Fest geschlagen und je nachdem, welcher Baum uns in diesem Jahr besonders gut gefällt, haben wir eine Kiefer, eine Blaufichte oder eine Coloradotanne im Wohnzimmer stehen. Mal sehen, welcher Baum es dieses Jahr wird.

 

Unsere Weihnachtsbaumanlage ist natürlich aufgebaut. So stehen große neben kleinen Bäumen, Coloradotannen neben Blaufichten und an "mageren" Standorten die Kiefern. Dort ist mal wieder eine Gruppe von "Nordmännern" - alles locker gemischt, ähnlich wie in einem natürlich wachsenden Wald. Wird ein Baum abgesägt, bleibt die Wurzel im Boden und verrottet über die Jahre und bringt so Humus für die nachwachsende Generation von Weihnachtsbäumen. Ist Mulchmaterial (z. B. Rasenschnitt, Herbstlaub) vorrätig, wird an besonders nährstoffarmen Standorten dieses zwischen den Bäumen ausgebracht.

Unkrautvernichtungs- und Schädlingsbekämpfungsmittel sind auf unseren Flächen tabu. Viele Pflanzen- und Tierarten profitieren davon. So kann man bei uns die Zauneidechse und mit etwas Glück sogar die Ringelnatter und die Blindschleiche beobachten. Die Vogelwelt ist vielfältig. Neben Feldsperling, Blau- und Kohlmeisen brütet hier im Nistkasten sogar mal der Wendehals. Bei manchen abgesägten Weihnachtsbäumen findet man noch ein altes Vogelnest von Amsel, Singdrossel, Bluthänfling, Buchfink oder anderen Singvögeln. Auch in diesem Jahr konnten wir den Wiedehopf - den Vogel des Jahres 2022 (gekürt vom NABU und LBV nach landesweiter öffentlicher Abstimmung) - in unserer Anlage beobachten. Den extra für ihn bereitgestellten Nistkasten hat er leider noch nicht gefunden. Mal sehen, vielleicht im nächsten Jahr. Übrigens wurde für das Jahr 2024 dar Kiebitz als Vogel des Jahres gewählt. 

Verschiedene Ameisen haben sich hier angesiedelt. Da ist es nicht verwunderlich, dass man den Grünspecht hier fast täglich antrifft, aber auch andere Spechtarten suchen aus dem nahen Wald unsere Weihnachtsbaumfläche auf. Schmetterlinge gaukeln über die Blüten der Wildkräuter - viele Bläulinge, das Tagpfauenauge, der Schachbrettfalter, der kleine Fuchs, der Kohlweißling, der Zitronenfalter, das Taubenschwänzchen, den Admiral - um hier nur einige aufzuführen. Manchmal können wir auch den Schwalbenschwanz und den Segelfalter beobachten.

Hin und wieder sehen wir auch den Igel durch die Anlage laufen. Zum Weihnachtsbaumverkauf sollte er allerdings schon in seinem trockenen Winterquartier die kalte Jahreszeit verschlafen. Umso erstaunter waren wir beim Weihnachtsbaumverkauf zum 2. Advent 2021als der stachlige Geselle vor unserem Schuppen bei den Weihnachtsbäumen auftauchte. Er hatte wahrscheinlich das milde Wetter genutzt, um noch mal nach was Fressbaren zu suchen. Zum Glück war er groß genug, so dass keine Gefahr bestand, dass er den Winter nicht übersteht.

 

Einige unserer Naturbeobachtungen in unserer Weihnachtsbaumanlage haben wir auf Bildern festgehalten.